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Abstrakt

Durch die Digitalisierung in Produktion und Vertrieb findet zweifellos eine Revolution statt hinsichtlich der beiden Aspekte, wie Filme produziert und vertrieben werden. Bisher war Filmemachen immer nur für eine recht exklusive Gruppe möglich und vor allem leistbar, diese Strukturen haben sich durch den Demokratisierungsprozess stark verändert. Die niedrigen Investitionen für einen einfachen Film ermöglichen einer Vielzahl von Filmemachern den Einstieg, Tools im Internet verteilen den Film weltweit und machen ihn für jedermann zu jeder Zeit an jedem Ort abrufbar. Neben der Entwicklung des Demokratisierungsprozesses kann man feststellen, dass sich eine starke Trendwende im Nutzerverhalten der Konsumenten vollzieht: Der neue und damit zukünftige Nutzer wird vom passiven Konsumenten zum aktiven Gestalter, der nicht nur unterhalten, sondern auch beschäftigt werden will. Während Videostreams und Interaktivität vor allem in der jungen Zielgruppe einen regelrechten Boom auslösen, bleibt die ältere Zielgruppe tendenziell eher (noch) beim klassischen Fernsehen, in dieser Gruppe steigt der Videokonsum im Internet zwar ebenfalls, jedoch nicht in solch rasantem Ausmaß wie beim vergleichsweise jüngeren Publikum.

In unzähligen Artikeln und Vorträgen werden die Vorteile und neuen Möglichkeiten der digitalen Distribution euphorisch begrüßt und erläutert, vor allem kleine und unabhängige Produktionen sollen davon profitieren können und dadurch erstmals den großen Hollywood-Studios Paroli bieten. DIY (Do it yourself) wurde zum Inbegriff für eine Entwicklung, die dem kleinen Filmemacher suggeriert: Dein Film kann in der ganzen Welt erfolgreich sein. Vergleicht man jedoch das alte mit dem neuen System und analysiert dazu die aktuellen Entwicklungen im Netz, lässt sich resümierend festhalten: Die Zukunft liegt im Internet, es bietet noch nie da gewesene Möglichkeiten für Filmemacher, noch nie war der Einstieg in das Filmgeschäft so einfach und günstig wie heute. Doch noch gibt es viele Fragezeichen rund um das Thema und es gilt viele Hürden und Herausforderungen zu überwinden, will man auf dem weltweiten Marktplatz Internet bestehen.

Finanzierungs- und Erlösmodelle aus dem traditionellen System beginnen mehr und mehr wegzubrechen. Das hat einerseits mit dem Rückgang der Kinobesucher zu tun, andererseits aber auch mit geändertem Nutzerverhalten. Das Internet kann im Moment weder auf der Finanzierungsseite, noch bei den Erlösen annähernd die Ausfälle des alten Systems auffangen. Vor allem aber zeigt sich, dass die oftmals zitierten wahren Gewinner, nämlich die kleinen Filmproduzenten und „neuen Filmemacher“, es viel schwieriger haben, als bisher angenommen. Dass dies auch noch länger als von manchen erhofft so bleiben wird, hat mehrere Gründe:

  • Mit User Generated Content lässt sich wenig bis kein Geld verdienen. Selbst die weltweit mit Abstand führende Videoplattform YouTube hat die Strategie geändert und setzt nun vermehrt auf Premium Contents von Studios und TV-Sendern.
  • Gut verdienen werden weiterhin eher die Bestseller-Artikel. Bis auf wenige Ausnahmen werden Nischenprodukte wenig bis gar keine Einnahmen produzieren können.
  • Die Nutzerzahlen mit Breitbandanschlüssen, die zumindest Videostreaming auf DVD-Qualität erlauben, sind noch zu gering, um eine notwendige Masse zu erreichen.
  • Territoriale Rechte beschränken das Potential des Internets, da eine schnelle, einfache weltweite Verbreitung nicht möglich ist.
  • Der Rückgang bei den Filmverwertungserlösen ist nicht per se mit Piraterie und illegalen Downloads verbunden. Vielmehr spielen auch ein verändertes Nutzungsverhalten der Konsumenten und fehlende bzw. nicht ausgereifte legale Angebote eine Rolle.

Will man die digitale Distribution und die Vorteile, die sich daraus ergeben, nutzen, sollte man als Filmemacher u.a. folgende Punkte beachten:

  • Durch die Digitalisierung wird Filmemachen und Filmvertrieb für nahezu jedermann möglich. Dadurch steigt natürlich auch die Konkurrenz um ein Vielfaches.
  • Durch billige Produktions- und Vertriebskosten wird es viel mehr kleine Filme geben. Filme mit mittelgroßem Budget nehmen stark ab, High Budget-Filme nur leicht: Die Mitte dünnt aus.
  • Bei Internet-Distribution muss nicht nur gegen die vielen neuen Low Budget-Produktionen konkurriert werden, auch gegen die großen Blockbuster, Online-Games, das Internetsurfen und gegen das klassische Fernsehen.
  • Erfolgreiche digitale Distribution bedarf, mehr noch als in der alten Welt, der Ausarbeitung einer Verwertungs- und Vermarktungsstrategie. Virales Marketing alleine ist zu wenig.
  • Sollen virale Effekte im Internet genutzt werden, muss der Film diesen Effekt auch auslösen können.
  • Nur die besten, innovativsten und auffallendsten Filme werden sich durchsetzen. Alles andere bleibt im Datenhighway stecken.
  • Soll ein Produkt rein über digitale Kanäle vertrieben werden, müssen die Produktionskosten so gering wie möglich gehalten werden. Bis jetzt hat sich noch kein Businessmodell gefunden, welches verlässliche Revenues erzielt.
  • Bewegt man sich in Nischen, gilt sparsames Produzieren umso mehr. Durch die Digitalisierung besteht zwar für viele erstmals die Aussicht auf Aufmerksamkeit, die tatsächlichen Chancen auf finanziellen Erfolg sind aber aufgrund des enormen Angebots am Markt sehr gering.
  • Werbung als alleinige Erlösquelle kann sich als fataler Irrtum herausstellen.
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